Das presseHUB Manifest

Version 0.9.1 / digitalNatives

Wenn ich die aktuellen Entwicklungen betrachte, sehe ich vieles, was problematisch ist. In jüngerer Vergangenheit war es die offensichtliche Einmischung der Presse als "vierte Gewalt" in die Gesetzgebung. Das ist ein massives Problem und zeigt einen wichtigen Missstand auf: Von der Seite der Presse gab es die Notwendigkeit, so zu handeln. Was passiert also? Die Presse, genauer die Verlagshäuser sehen, dass Inhalte, die ihnen gehören, von anderen Anbietern im Internet genutzt werden. Das passiert aber in einer Art und Weise, dass es zu keiner Monetarisierung seitens der Presseverlage kommt, dafür aber die anderen Anbieter Werbung zu den Presseinhalten schalten und somit Geld verdienen. So kann Beispielsweise ein Nutzer auf facebook einen Artikel verlinken, der Link wird über einen Mechanismus von facebook zu einer Überschrift, einer kleinen Vorschau und typischerweise einem Bild transformiert und so in den Nachrichtenstream des Nutzers eingeblendet. Dieser Stream wird unter anderem mit von facebook verkaufter Werbung vermengt, woduch facebook sich refinanziert.

Die Ertrags-Modelle der Verlagshäuser ändern sich nur langsam. Eine Situation, wie beispielsweise bei facebook, wird weder durch die Modelle abgebildet, noch durch den Gesetzgeber. Es ist kein reines Zitieren, da es in einem zu großem und vor allem automatisierten Umfang passiert, es ist kein reines Kopieren, da die Inhalte neu arrangiert werden, es ist weder Presseschau noch Pressespiegel, da der Umfang zu klein ist. Mit der Größe des Umfangs ist der Inhalt aber auch nicht urheberrechlich schutzfähig, da eine zu geringe Schöpfungshöhe vorliegt.

Zu alldem kommt auch noch, dass die Geschäftsmodelle nicht sonderlich tragfähig sind und die Verlagshäuser seit Jahren über zurückgehende Umsätze klagen.

Was also tun?

Die Presseverlage wissen sich nicht mehr anders zu helfen, außer durch Bedrängen der Legislative eine "Vorschlaghammer Methode" zu etablieren, die ihr Recht durchsetzbar macht. Dieses hat aber fatale Auswirkungen für alle Beteiligten im Internet. Der Ansatz im großem Umfang Daten zu erheben und auszuwerten muss also verhindert werden, das Recht auf die Zitate der Auszüge beschnitten und das alles technisch realisiert werden, so dass Inhalte nicht mehr mal eben einfach so gescraped werden können.

Dieses Problem lässt sich auch anders lösen. Statt also allen die Bürde aufzuerlegen die (neue) Gesetzgebung, mit ihrem Kollateralschaden umzusetzen, kann das Verbreiten der Informationen so realisiert werden, dass nicht nur Nutzer ein für Nutzer finanzfreundlicheres Umfeld bekommen und somit auch bereitwilliger Leistungen der Presseerzeuger entlohnen, sondern auch Erzeuger von einem solchen Umfeld profitieren, da mehr Inhalte mit scheinbar weniger Geld finanziert werden, aber letztlich mehr Leute die Inhalte auch bezahlen, was wiederum zu eine positiveren Bilanz bei den Verlegern führt.

Hier kommt presseHUB ins Spiel. presseHUB soll eine Plattform für Verleger werden, die selbigen nicht nur die Kontrolle über die Ausbreitung der Inhalte zurück gibt, sondern auch den Nutzern eine einfachere Möglichkeit Inhalte zu bezahlen und so nicht nur ein, sondern viele Verleger und Journalisten entlohnt werden.

Benutzer haben Kostenkontrolle und dürfen für ein im Vorfeld definiertes Kapital eine Anzahl an Artikeln in Publikationen konsumieren. Verleger bekommen eine Empfehlung, was etwas kosten dürfte, haben aber letztlich das finale Wort hierzu. Darüber hinaus bekommen Verleger auch noch die Möglichkeit verschiedenste Arten von Kontingenten von Artikeln zu definieren. Zum Beispiel Artikel, die mit vorgeschalteter Werbung refinanziert werden oder aber gänzlich kostenfrei zur Verfügung stehen, oder Artikel, die einen Einzelpreis haben oder im Rahmen eines Abonnements zur Verfügung stehen.

Wait what?

Fangen wir vorne an. Die Idee eine Plattform mit einem solchen Zweck zu erschaffen ist nicht neu. In der Vergangenheit gab es schon häufiger Ansätze, von denen jeder seine eigenen Schwierigkeiten hatte. Einige dieser Ansätze Artikel zu aggregieren haben es überlebt und sind mit Modifikationen und Umbenennunen selbst heute noch zu finden. Andere wiederum sind im digitalen Nirvana verschwunden. Hervorzuheben aus den letzten Jahren sind niiu publishing GmbH, später als newscase GmbH bekannt, Storify Inc. und die Suchmaschine Paperboy. newscase hat zwar Lizenzabkommen mit Verlagshäusern, liefert(e) aber nur eine iOS App. Seit 2015 ist es still geworden. Storify hat im Mai 2018 bekannt gegeben, dass das Netzwerk aufgelöst wird und alle Inhalte gelöscht werden. Gegen Paperboy wurde wegen Verlinken von Artikeln 2003 von Gruner+Jahr und dem Handelsblatt vor Gericht vorgegangen.

Wird ein Link in einem Socialstream gesetzt, ist es eine beliebte Methode geworden die verlinkten Inhalte vorab zu laden ("Scrapen") und anstelle eines langweiligen Links eine Vorabansicht des Inhalts zu präsentieren, so dass der Surfer eine Idee bekommt, worauf er klicken soll. Eigentlich eine gute Idee. Problematisch wird diese Idee genau an dem Punkt, wenn diese fremden Inhalte Teil der Nutzerinhalte werden und so zusätzlich noch Werbung eingestreut wird, an der der ursprüngliche Erheber nicht partizipiert. Folglich wollten sich nun die Publizisten einen Teil vom Kuchen holen und forderten das Leistungsschutzrecht. Dieses soll eben den Teil der Leistung den Artikel zu erstellen unter einen besonderen Schutz stellen, obwohl der Auszug für sich genommen a) durch das Zitatrecht gesichert und b) ohne eine ausreichende Schöpfungshöhe auch nicht durch das Urheberrecht gesichert ist. Presseverlage verdienen mit ihren Inhalten Geld und wollen nun verständlicherweise auch verhindern, dass Dritte ihre Inhalte monetarisieren. Das ist eine verständliche Forderung.

presseHUB löst genau dieses und noch viele andere Probleme.

Die Plattform presseHUB soll nicht nur Presseverlagen die Möglichkeiten bieten ihre jeweilgen Inhalte online zu publizieren, sondern auch diese zu schützen. So haben Presseverlage nicht nur die Möglichkeit ihre Inhalte so zu gestalten, wie sie es möchten, sondern darüber hinaus auch die volle Kontrolle über die potentielle Monetarisierung ihrer Inhalte. Darüber hinaus hat presseHUB eine dedizierte Schnittstelle, um den Presseverlagen die Möglichkeit zu bieten, wie ihre Inhalte dargestellt werden sollen, wenn ein Link gescraped wird.

Inhalte werden für Layout- und Renderingzwecke in Form von Platzhaltertexten als Klartext verschickt, der eigentliche Inhalt wird verschlüsselt übermittelt. Übermittelt wird hierbei nur, was direkt auf dem Bildschirm lesbar ist. So könnte in einem späteren Preismodell auch nur genau dieses Abgerechnet werden. Diese Daten jedoch stellen einen großen Mehrwert dar: Sie bilden die Grundlage nicht nur zu bestimmen, wie schnell, sondern auch wieviel eines Artikels gelesen wurde. Diese Daten werden losgelöst von individuellen Benutzerdaten anonymisiert in einem Profil den Inhaltsanbietern zur Verfügung gestellt und bilden eine wirkungsvolle Methode die eigene Performance der Artikel zu bemessen und im späteren Verlauf auch zu optimieren.

Generische Artikel sollten im Rahmen bestimmter zweckgebundener Kontingente von Publizisten freigegeben werden. Diese stellen dann einen Bereich dar, der kostenfrei abgerufen werden kann, weitere einen Bereich, der kostenpflichtig ist und im Rahmen eines Abonnements abgegolten wird.

eZines, Blogger und freie Journalisten haben genauso Zugriff auf die Infrastruktur presseHUBs und können diese nutzen, um selbst auch mehr Reichweite zu generieren. Auch sie bekommen die Möglichkeit den Scrapeschutz zu nutzen und ihre Inhalte zu monetarisieren.

Der Nutzer entscheidet

Nutzer der Plattform haben ein prepaid Guthaben und können das um eine Form der Selbstaufladung ergänzen, so dass jeden Monat ein identischer Betrag vorhanden ist. Dieser kann auf zweierlei Art verwendet werden: Bezahlen eines Abonnements: der Umfang richtet sich nach der zu entrichtenden Summe - denkbar sind 4 Zeitungen bis zu 10 Artikel / Tag für 10 Euro im Monat oder aber direkt pro Artikel. Die exakte Preisfindung steht hierfür noch aus und richtet sich unter anderem nach dem Umfang der Erzeugnisse.

Jeder Nutzer hat Inhalte, die er bevorzugt liest. Diese werden in einer persönlichen Themenlisten organisiert. Diese Themenliste hat in der Ansicht stets die Artikel im Abonnement in einer Vorzugsposition, aber auch Vorschläge, die themenverwand sind. Diese bilden anhand der Leserzahlen, der Verweildauer und der Beliebtheit der letzten Stunden ein internes Ranking, das für die Reihenfolge genutzt wurd. So bekommt der Nutzer auch immer Artikel zu lesen, die er selbst nicht auswählen würde, für ihn aber thematisch von Interesse sind. Dieses interne Ranking läuft vollkommen autonom und bewirkt, dass stets ein Mix an verschienden Nachrichtenquellen zur Verfügung steht.

presseHUB diskriminiert nicht

Blogs müssen gegenüber klassischen Presseerzeugnissen gesondert behandelt werden. Neben den bereits erwähnten Benutzermetriken trägt ein einfaches Nutzerranking hierbei auch zur Kredibilität der jeweiligen Blogger bei.

Die Inhalte der Blogger selbst sind minimal kuratiert. Inhalte, die rechtlich problematisch sind, werden auf Zuruf für den zurufenden Nutzer gesperrt und bei einem Schwellwert an Beschwerden gesichtet und ggf aus dem System entfernt. Tritt das häufiger auf, wird der betreffende Author vom System verwarnt und ausgeschlossen.

Inhalte der Publizierenden werden analytisch ausgewertet, u.a. um den Autor eines Artikels auch dann korrekt benennen zu können, wenn dieser probiert seine Inhalte unter einem neuen Label zu lancieren, so dass gesperrte Nutzer auch weiterhin gesperrt bleiben.

presseHUB kann noch mehr leisten

presseHUB ist sozial. Es ist angedacht, dass Benutzer, die sich eine Nutzung seitens presseHUB nicht leisten können und sozial bedürftig sind, diese durch die jeweiligen Ämter der sozialen Versorgung zur Verfügung gestellt bekommen können. Universitäten und Schulen sollen ebenfalls einen weitestgehend freien Zugang bekommen.
presseHUB ist eine europäische Lösung. Es sollen alle Blogger, Journalisten und Presseverlage in Europa von presseHUB profitieren dürfen. Inhalte finden so auch leichter ihren Weg über Grenzen hinweg und stehen einfacher zur Verfügung.

Es wurde angedacht verschiedene Modelle der Refinanzierung von Artikel nutzbar zu machen. Artikel könnten beispielsweise über das Vorschalten von Werbeblöcken und das kontextuelle Abfragen der Inhalte mitfinanziert werden. 

presseHUB ist keine Datenschleuder

presseHUB erhebt zum Verwenden lediglich eine E-Mail Adresse und im späteren Verlauf auch Daten über einen Zahlungsdienstleister. Anmelden kann sich ein Nutzer wahlweise über ein bereits existierendes Konto von einem sozialen Netzwerk oder Partnerunternehmen oder aber klassisch mit der E-Mail-Adresse/Passwort Kombination. Es wird vom Webserver die IP-Adresse protokolliert, welcher Browser verwendet wird und wie presseHUB genutzt wird. Das sind alle Daten, die presseHUB erhebt.

Es ist leider üblich geworden, dass viele weitere Daten auf Internetseiten erhoben werden. Diese werden für alle möglichen Zwecke genutzt; sei es um Nutzerverhalten auf der Seite selbst zu dokumentieren und auszuwerten, oder aber um bestimmte Zielgruppenwerbung effizienter zu schalten oder um mehr über den Nutzer selbst zu erfahren. Es gibt viele Gründe Daten zu erheben. Auch presseHUB erhebt Daten und wird diese weitergeben: die Daten umfassen die Nutzung des Artikels und die gelesenen Themen. Sie werden jedoch so aufbereitet, dass ein Rückschluss auf einen individuellen Nutzer nicht möglich sein soll.

Schon Google lehrte uns: "Wenn das Produkt nichts kostet, ist der Verwender das eigentliche Produkt". Stimmt ein Nutzer explizit zu, dass von ihm Daten erhoben und diese auch noch mit weiteren demografischen Details angereichert werden, soll das dem Nutzer auch zugute kommen. Der Nutzer soll hierfür einen Gegenwert in Form von Kontingenten zum Lesen erhalten. Das ist allerdings freiwillig und darf keinesfalls vom Nutzer erzwungen werden. In jedem Fall sind auch diese Daten so anonymisiert, dass sie zwar einen detaillierten Einblick erlauben können, aber keinen direkten Rückschluss auf die jeweilige Person zulassen.

Wer macht presseHUB?

presseHUB als wirtschaftliches Unternehmen erwirtschaftet nur das Geld, das absolut nötig ist um den Betrieb aufrecht zu halten. Betreiber von presseHUB soll eine Organisation sein, deren rechtliches Korsett derartig eng geschnürt ist, dass außer dem Betrieb presseHUBs nur noch hervor geht, dass die Unternehmung keine Gewinnerzielungsabsicht hat, keinerlei staatlichen Institution untersteht und dieser Zweck nicht änderbar ist. Wenn möglich soll durch die gewählte Geschäftsform der europäische Charakter ausgedrückt werden. Der ideale Betreiber wäre eine Stiftung. Diese Unternehmung soll "digitalNatives" heißen.

Um das Projekt auf eine möglichst breite Front zu stellen, sollte ein Bewusstsein sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik angestrebt werden. Schirmherrschaften sollen aber nicht nur von einer einzigen Partei kommen, sondern idealerweise von mehreren. Sponsoring von Unternehmen wird angenommen, aber stets, wie auch die Schirmherrschaften, ohne Zugeständnisse jedwelcher Art.

Eine Stiftung per se hat noch keine rechtliche Grundlage. Es ist wichtig zu betonen, dass presseHUB/digitalNatives selbst keinerlei Gewinnerzielungsabsicht hegt und eine nichtstaatliche Organisation ist. Es ist wünschenswert dass die Betreiberorganisation im Rahmen einer Stiftung arbeitet, deren Finanzierung via Crowdfunding realisiert wird. Für das Crowdfunding sollte ein Verein gegründet werden, deren späterer Zweck ein Förderverein des Projekts presseHUB sein wird.